Im Gespräch mit Seniorinnen und Senioren im Ägerital - Serie
Mi Heimat isch’s Ägerital
Paul Iten im Gespräch mit Alois Rogenmoser «Zwüschebächwiesel» Oberägeri - 1.3.2024 |

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Paul Iten: «Wo bist du geboren und aufgewachsen?»
Alois Rogenmoser: «Ich bin im Zwischenbäch in Oberägeri am Grünen Donnerstag auf die Welt gekommen und so bin ich ein Widder. Von 8 Kindern war ich der Zweitjüngste. Von meinen Geschwistern sind aber zwei schon bei der Geburt und zwei als Kleinkinder schon gestorben. Zwei Brüder und ich leben noch. Mein Vater war Landwirt auf dem Hof im Zwischenbäch.»

PI: «Was könntest du von deiner Schulzeit erzählen?»
AR: «In die Schule ging ich nie gerne. In der öffentlichen Schule in Oberägeri sassen damals ca. 60 Kinder in einer Klasse und in einem Schulzimmer. Die Lehrpersonen schafften Disziplin mit Tatzen und Schlägen. Die Bauerkinder erhielten am meisten Schläge, weil sie zu Hause im Stall helfen mussten und keine Aufgaben machten. Zudem kamen sie mit schmutzigen Händen in den Unterricht. Das gab dann Schläge. Aber ich habe die Schule trotzdem nicht schlecht in Erinnerung.
Die beste Schule war die Bürgerschule. Die Bürgerschule war ein Unterricht am Samstagnachmittag für die Jugendlichen, die schon aus der Schule waren. Dort habe ich am Meisten gelernt. Nach der Schule gingen wir dann jeweils in den Bären. Dort jassten wir dann und hatten es gut miteinander.»
PI: «Wo hast du eigentlich deine Frau kennen gelernt? Sie kommt aus dem Muotathal.»
AR: «Ich lernt sie auf dem Stoos kennen. Einen Winter lang arbeitete ich am Klingenstockskilift. Dann hatte ich dort einen Lohn, Kost und Logie. Mein Schatz arbeitete in der Pension Montana. Und so trafen wir uns dort oben im Stoos. Wie singt man so schön: «Dort oben im Stoos, ob Schwyz, ist ein Paradies.»
PI: «Wie verlief dann dein Leben?»
AR: «Ich arbeitet 30 Jahre als Buschauffeur bei der ZVB. Das war ein guter Beruf. Du hast zwar viele Nachtstunden und Wochenende, während der du arbeitest. Aber dafür hast du dann viele freie Zeit während der Woche. Und so konnte ich die Zeit ‘ums Hus ume’ und im Wald verbringen.
Zudem engagierte ich mich im Dorfleben in diversen Vereinen, in der Feuerwehr und war 16 Jahre Bürgerpräsident.»
PI: «Wie erlebst du die Zeit als Pensionär?»
Ich erlebe diese Zeit als schöne Zeit. Ich habe einen Wald, in dem ich mich körperlich betätigen kann. Als Hobby betreibe ich noch Ahnenforschung. Mein Frau ist Imkerin und macht dieses Hobby gerne und ich helfe ihr dabei.
Aber wenn du einmal ins Spital musst, bist du immer wieder dort. Ich habe vor zehn Jahren einen halben Nektarinen-Stein verschluckt. Der hat sich dann in meiner Darmwand eingehackt. Und dann fing es an: Darmentzündung – Spital. Und seit da finden sie immer wieder etwas. Dieses Jahr hatte ich eine schwere Erkältung und grosse Atemprobleme. Daher trinke ich viel weniger Alkohol. Alkohol und Medikamente sind Gift.»
PI: «Willst du mir oder deinen Lesern sonst noch etwas erzählen oder mitgeben?
AR: «Nein, wenn man einmal Messe gelesen hat, sollte man nicht mehr Alttardienern. Darum mische ich mich nicht mehr in die Dorf- und Weltpolitik rein.»
Lieber Wiesel, ich danke dir für das Gespräch. Ich schätzte dich als ehemaligen Bürgerpräsidenten und ich als ehemaliger Gemeinderat immer, weil wir nach schwierigen Diskussionen wieder miteinander zusammen ein Glas oder zwei Weisswein trinken konnten. Und jetzt ministriere ich zwar noch als Sakristanen-Sohn in der Alterskommission.